Keiderschrank von Willy Guhl
 

22.06.2026Keiderschrank von Willy Guhl

Ende der 1920er Jahre wurde in den USA die Hartfaserplatte auf den Markt gebracht. Wenige Jahre später begann die Papierfabrik Cham mit der Herstellung des Materials unter dem Namen Pavatex, der im deutschsprachigen Raum zum Synonym für die mit Wasserdampf und Druck verpressten Holzplatten wurde. Das neue Material sorgte auch im Möbelbau für neue Möglichkeiten. Willy Guhl, der 1942 von seinem Lehrer Wilhelm Kienzle quasi als Assistent an die Fachklasse für Innenausbau berufen wurde und damit seine langjährige Tätigkeit an der Schule begann, machte zu dieser Zeit Möbel-Vorschläge für den Wiederaufbau des zerbombten Europas. Gleichzeitig tüftelten er und sein Lehrer an je eigenen Projekten für Pavatexmöbel. Guhl nutzte dabei das Prinzip der Zerlegbarkeit, mit der er sich für die Notmöbel bereits auseinandergesetzt hatte und entwarf einen durch nur acht Schrauben zusammengehaltenen Schrank. Möglich wurde dies durch eine Rahmenkonstruktion, die gleichermassen den traditionellen Schrankentwürfen als auch dem modernen Skelettbau in der Architektur verpflichtet war. In diesen Rahmen wurden nun die Pavatextplatten geklemmt, die in verschiedenen Farben gestrichen wurden. Der in der Schreinerei Guhl gefertigte Entwurf war in erster Linie für Schweizer Haushalte gedacht, wurde bei Wohnbedarf angeboten und zum Vorbild zahlreicher weiterer Schweizer Pavatexschränke, die in den 1950er Jahren von der Möbelgenossenschaft, der Wohnhilfe und anderen auf den Markt gebracht wurden. Auffällig ist die vergleichsweise geringe Tiefe des Möbel, was durch die spezielle Aufhängung der Kleiderbügel mit einem sogenannt englischen Zug möglich wird.
Besonders am hier angebotenen Schrank, der aus den 1950er Jahren stammt und einer bekannten Kunstkritikerin gehörte, ist die original erhaltene Farbfassung. Selten hat die von Hand gestrichene Farbe nämlich die Jahrzehnte unbeschadet überstanden und wurde deshalb oft überstrichen. Masse 125 x 46 x 156.6cm. CHF 2000.–