2.09.2026Stuhlpaar Modell 108 von Hans Bellmann
Während in den USA schon fleissig Sitzschalen aus Fiberglas produziert wurden, hinkte Europa in der Kunststoffentwicklung hinterher. Die Vorreiterrolle der USA bei der Verwendung neuartiger Materialen hing direkt mit den Entwicklungen des Zweiten Weltkrieges zusammen. So wurde etwa Fiberglas für die Herstellung von Radarschüsseln verwendet. Die zivile Nutzung machten sich prominenterweise die Eames zunutze. Die erste Fiberglasschale Europas wurde dagegen ab 1954 in der kriegsverschonten Schweiz hergestellt. Strässle mit Sitz im St. Gallischen Kirchberg hatte dazu Hans Bellmann engagiert, der unter dem Label „Sitwell“ verschiedene Schalenformen für Sofas, Sessel und Stühle entwickelte, die dann in (Klein)serie gingen. Anders als die amerikanischen Verwandten gab es die Schweizer Schalen nur mit Stoffbezug. Polsterung und Bezug der organischen Formen war zwar aufwändig, aber immerhin vereinfachte sich dadurch die Befestigung von Schale und Untergestell. Die unsichtbaren Schrauben konnten durch das Fiberglas gesteckt werden. Um ausreichend Auflagefläche und Stabilität zu gewährleisten, entwickelte Bellmann einen aufwändigen Fuss, bei dem die Stahlrohrbeine durch zwei stehende Bleche geführt wurden, die an Jean Prouvés Konstruktionen erinnern. Das hier angebotene Modell 108 wurde wohl vor Jahrzehnten mit rotem Velours gepolstert. Die ursprünglichen Fussgleiter wurden damals ersetzt und jetzt noch einmal erneuert. Sitzhöhe (an der vorderen Kante gemessen) ca. 43cm. CHF 600.–/Paar

